Einiges an Zeit ist vergangen, seitdem ich das letzte mal meine Gedanken gebuendelt zu Papier gebracht habe. Die Erde hat sich definitiv weiter gedreht und viele wichtige und unwichtige Dinge sind weltweit passiert. Persoenlich habe ich von den meisten Dingen wenig, oder fast ueberhaupt nichts mitbekommen. In den haeufigsten Faellen haette ich es vermutlich auch gar nicht gewollt, aber zum Glueck drehen sich die Uhren im suedoestlichem Teil Afrikas sehr langsam und Nachrichten dringen aus der “zivilisierten Welt” nur zoegerlich vor.
Als ich mich Anfang des Jahres von Oli getrennt hatte, fuhr ich zurueck in das entlegene Fischerdorf Tofo. Noerdlich von Maputo (ca. 500km), liegt Tofo paradiesisch hinter endlosen Kokussnuss Palmen am Rande einer weiten Bucht. Ueber Sylvester hatte ich zuvor einige Tage mit Oli zs. In dem Dorf verbracht. Durch eine muendliche Vereinbarung mit dem Hotelbesitzer “Des” erhoffte ich mir einen Job in dessen Bar. “Bamboozi” ist ein unter Sued Afrika Reisenden ziemlich bekannter Back Packer und hat die Groesse einer kleinen Hotelanlage. Ausschliesslich aus lokalen, natuerlichen Materialien erbaut, unter Kokussnuss Palmen gelegen und mit Blick von einer hohen Duenne auf den Indischen Ozean hat “Bamboozi” einen eigenen Flair. Alles ist einfach, simpel und schlicht gehalten, was eine Stimmung von Ruhe und Seele baumeln erzeugt. Mit “Des”, der sich selber als professioneller Strandpenner bezeichnet, kam ich zu einer festen Vereinbarung. Ich sollte seine Bar fuer fuenf Monate leiten und einwenig “Party“ zu der Ruhe hinzu mixen. Bei ihm sollten wortwoertlich die Kassen klingen und im Gegenzug versprach er mir freie Tauchgaenge und die Tauchlizenzen, bis einschliesslich zum Dive Master.
Genau was ich gesucht hatte und wollte. Unglaublich geil!! Welch ein Glueck!
Die erste Zeit war Eingewoehnung und ich lernte das Barteam und die Kuechencrew kennen. “Ernesto”, “Bernardo”, “Antonio” und “Pedro” waren meine Barkollegen und mit der Zeit wurden wir fuenf gute Kumpels und bildeten ein super Team. “ Papa Luis” fuehrte das 14 Koepfige Kuechenteam an. Er ist eine sehr wichtige und bekannte lokale Persoenlichkeit. “Papa Luis” ist Chief der Gemeinde, Priester und Pflanzenheiler in einer Person. Man koennte ein ganzes Buch ueber ihn und die Gemeinde schreiben. Papa hat acht Kinder, ganz, ganz viele Enkelkinder und er strahlt eine sehr eigene Ruhe, Weissheit und Energie aus. Zurueck zur Bar…..
Essen wird von morgens 7.00 Uhr bis abends 21.00 Uhr serviert und die Bar schliesst, nachdem der letzte Gast die Tuer hinter sich gelassen hat. Meine Aufgaben lagen neben der eigentlichen Bararbeit im abendlichem abschliessen der Bar, die Abrechnungen zu machen, Bestellungen schreiben und Parties zu organisieren.
Ich schrieb also eine neue Cocktailkarte, der Service wurde insgesamt einwenig vereinfacht und nach 2 Wochen war es Zeit fuer die erste Party. Flyer waren schnell gemacht und verteilt, Caipirinha gabs im grossem 20 Ltr. Topf und ein DJ konnte auch organisiert werden. Das Motto der Party war “Brazil” und um Mitternacht wurden ca 150 Leute geschaetzt. Der Abend war richtig gut, der Sonnenaufgang wurde tanzend empfangen und ein Hauch von Samba und Liebe schwebte in der Luft. Die Freitag Abend Party Reihe bei Bamboozi kam ins Rollen und ich hatte einen ziemlich guten Einstieg gehabt. “Des” war happy und ich konnte endlich anfangen die Fische des Indischen Ozeans genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich konnte soviel ich wollte tauchen, und die Liebe zu diesem neuem Sport, oder besser gesagt, die Liebe zu dieser neuen Umgebung war auf Anhieb in mir geboren. Ich Liebe es!!
Alles was damit verbunden ist, aber vor allem das Meer, die Vielfalt und Schoenheit, Fische, Korallen, Pflanzen, Waalhaie, Mantas und H2o. Wasser. Das meist verbreitete Element auf diesem Planeten. Fluessig, Salzig und Quelle des Lebens……..in liebe zum Meer………probierte ich soviel wie moeglich zu tauchen. Abends musste ich meist arbeiten, oftmals lange und so manches mal konnte ich dem kaltem Bier auch nicht wiederstehen, so das ich meine Ab-tauch-tage gut koordinieren musste. Ich brauchte ein paar Wochen um zu realisieren das ich keinen Druck hatte und alles mit absoluter Ruhe angehen konnte. Ich bin in Afrika, Mozambique und mache, was ich machen will, sagte ich mir. Die Sache laeuft, also alles paletti. In den folgenden Monaten kam dieser Druckgedanke noch einige Male in mir auf, Stress und zuviele Leute um mich herum erzeugten ihre eigenen komischen Gefuehle. Abstand gewann ich durchs surfen und tauchen. Ich hatte jeder Zeit einen unglaublich schoenen Ausgleich und dieser Rhytmus hielt mich schlieslich in der absoluten Balance. Hinter der Theke, Unterwasser, oder auf dem Surfbrett, das ganze Leben stellt sich fuer mich als Balance Akt heraus.
Tage, Wochen und Monate zogen rasend schnell vorbei und eine ganze Bandbreite von verrueckten Barstories lief vor meinen Augen ab. Alles was man sich so Querbeet vorstellen koennte. Von auesserst lustigen Sachen, bis hin zu Schlaegereien, Striptease, Zivilpolizei und diversen Amok laeufen von Verrueckten war alles mit inbegriffen und passierte in dieser Beach Bar.
Freitag abend wurde offiziel zur Party time erklaert, Bands spielten und die Kueche servierte woechentlich ein ueppiges und relativ guenstiges Buffet. Mehr und mehr Leute fuehlten sich angesprochen, Touristen und locals, alle waren willkommen.
Selbst die Kinder der umliegenden Nachbarn waren regelmaessig in reichlicher Anzahl vertreten und zeigten den etwas steifferen Touris wie Rhytmus im Blut auf der Tanzflaeche explodieren kann. Caipirinhas und andere Cocktails liessen die Stimmung noch weiter in die Hoehe steigen und die Naechte wurden meistens durchgetanzt und abgegrooved. Einsame Herzen fanden oftmals zu einander….. …………..Peace, Love and Respect in Paradise.
Tagsueber probierte ich entweder zu tauchen, oder zu surfen. Die Wassertemperatur in Mozambique betraegt ca. 27 Grad celsius, viele Tropische Fische haben sich in diesem angenehmen Lebensraum angesiedelt und Korallen wachsen in den verschiedensten Formen und den ausgepflipptesten Farben. Manta Rochen und Waalhaie sind in der Tofo Region weit verbreitet und die absoluten Highlights jedes Tauchgangs. Mantas kommen auf Spannweiten von fuenf bis sieben Metern. Sie schweben wie ueberdimensionale Traumvoegel durchs Meer. Diese schnellen und eleganten Gleiter ernaehren sich hauptsaechlich von Plankton,.. Vegetarier……, sie lassen sich jedoch von kleinen Putzfischen saeubern und man kann sie dabei gut beobachten. Bakterien und Parasiten werden von der Mantahaut gefiltert und Teamwork in Perfektion wird demonstriert. Mutter Natur zeigt auf einfache und schoene Art und Weisse, wie Zusammenarbeit aussehen sollte.
Waalhaie sind die groessten Lebenden Fische in den Weltozeanen. Sie werden 6-10 Meter lang und ernaehren sich hauptsaechlich von Plankton. Sie haengen oftmals direkt an der Oberflaeche ab, cruisen langsam herum und lassen sich Nahrung in ihr riesiges Maul treiben. Wenn man neben den Waalhaien schnorchelt, ihnen in die Augen sieht, ihre Hautmuster bestaunt und dann noch in das “Sofa” grosse Maul starrt, wird einem zwar erst einwenig mulmig im Bauch, die Ehrfurcht weicht aber schnell absoluter Bewunderung.
Eine Bewunderung fuer die Schoenheit und den Frieden, der sich in diesen von der Natur in Perfektion erschaffenen Wesen wiederspiegelt. Der Blaue Planet ist einzigartig und ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, das wir Menschen die Verantwortung von der Natur uebertragen bekommen haben, sie mit Respekt und Liebe zu behandeln.
Mozambique ist ein wunderschoenes Land. Atemberaubende Kuestenlandschaften, unzaehlbare Kokussnuss Palmen und unberuehrte Primaerwaelder erzeugen den Eindruck einer paradiesischem Idylle. Doch Mozambique ist ein von Krieg und Katastrophen zerruetteltes Land. Erst im Jahre 1992 wurden die Waffen endgueltig niedergelegt und das Land kam nach vielen Kriegsjahren endlich zur Ruhe. Ueberschwemmungen und Krankheitsepedimien schwächten das Land in den darauf folgenden Jahren zusaetzlich. Das Land war praktisch am Nullpunkt angekommen, eine Infrastruktur war nicht existent, wirtschaftlich war so ziemlich alles komplett zerstoert und viele Landstriche waren von Minen zerpfluegt und verseucht. Die Bevoelkerung hatte einen der brutalsten Holocausts, seit dem 2ten Weltkrieg durchstehen muessen, indem weit ueber 100.000 Mozambikaner getoetet wurden. Ein drittel der Bevoelkerung war Heimatlos, zersplittert von ihren Familien, zerstreut uebers Land, oder fernab im politischem Exil.
Die meisten Wildtiere wurden im Laufe der Kriegsjahre praktisch ausradiert und existieren nur noch vereinzelt in wenigen Wildparks. Das Meer und die Kuestenregionen hingegen blieben meist unberuehrt und sind heutzutage sehr artenreich und sauber.
Seit dieser Zeit hat Mozambique eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. Langsam, aber sicher hat das Land zu seiner politischen Ruhe gefunden und wird durch Hilfe von meist Auslaendischen Hilfsorganisationen, sowie Internationalen Investitionen in eine neue, hoffnungsvollere und stabilere Zukunft gefuehrt.
Mozambikaner sind insgesamt fuer ihre Freundlichkeit, sowie Froehlichkeit bekannt. Das oeffentliche Leben findet auf den Strassen und Maerkten statt und der Handel ist zum Volkssport Nr. 1 erklaert worden. Die meisten Leute blicken zuversichtlich in die Zukunft, wobei die alltaegliche Realitaet bis heute von Armut und Elend ueberschattet wird. Mozambique hat einen sehr schwierigen und langen Weg vor sich. Land, sowie Leute machen jedoch den Eindruck, sich die wohlverdiente Zeit zu nehmen um diesen Weg der Entwicklung mit Ruhe und gezielter Planung zu beschreiten.
Persoenlich finde ich Mozzie super und ich wuerde auch gerne laenger in dem Land bleiben. Meinen Job in der Bar habe ich im Juni an den Nagel gehaengt. Der letzte Monat wurde fuer mich einwenig zaeh und ich verlor meine anfaengliche Inspiration und Power. Die Freitag abend Parties gibts weiterhin, allerdings findet man mich anstatt hinter der Theke, nun bei den Kids auf der Tanzflaeche. Dort lassen wir es gemeinsam krachen….
Den Dive Master Kurs konnte ich fertig machen und tauchen ist wie zuvor beschrieben eine neue Leidenschaft. Wenn ich Glueck haben sollte und der Plan funktioniert, kann ich schon bald in Tofo als Tauchfuehrer (Dive Master) arbeiten. Unterwassererfahrung waere natuerlich genial, aber ob in Tofo, oder woanders wird sich in den naechsten Wochen zeigen. Oli wird nach seinem Kenia Trip zurueck Richtung Sueden reisen und wir werden uns entweder in der Mitte treffen, oder uns spaetestens in Tofo wieder in die Arme fallen.
Wie das bei uns schon zur guten Tradition gehoert werden wir dann erst einmal ein cooles Bierchen trinken, unsere Koepfe zs. stecken und ordentlich brodeln lassen. Mal schauen was dabei herum kommt, Ideen gibts auf jeden Fall einige.
Falls jemand Rauchzeichen aus Mozambique sehen sollte, dann meldet euch mal zurueck. Ist immer gut und schoen zu hoeren, was bei Freunden und Bekannten so los ist und abgeht.
Hier ist auf jeden Fall alles easy und ne gute Brise Rueckenwind in den Segeln hilft beim Kurven fliegen, so wie die Mantas………..
Viele Gruesse und alles Liebe,
mucki
UND HIER NOCH ETWAS VON MR. OLIVER VOM - 16. JUNI 2005
(sorry Jungs, war mit in Berlin-Einleben zu beschäftigt... Pixelstef)
Bei uns geht es jetzt in Richtung Kenia! Sandra hat ihren Flug
verlaengert und wird nun am 16 July aus Mombasa zurueckfliegen! Morgen
werden wir nach Malawi fahren um dann durch Tanzania nach Kenia zu
gelangen..... Berichte gibts dann hoffentlich in naher zukunft und da
ich auch die Digital Kamera wieder uebernommen habe und schon fleissig
knipse {allerdings habe ich die Download Software vergessen und muss mal
schauen was sich da irgendwie machen laesst....} wirds dann hoffentlich
bald auch wieder was zum gucken geben!
Ich denke aber auch, dass Muckes demnaechst mal wieder ein paar neue
Pixel zum anschauen auf die Seite schickt.....
also erstmal alles gute und hoffentlich bald mehr! Liebe Gruesse,
Oliver